ZWANGSVERKAUF UND RÜCKERSTATTUNG






Zwangsverkauf und Rückerstattung
Nach dem Zwangsverkauf des Grundstücks an die Hansestadt Hamburg im Jahre 1943 überließ diese das Gelände Organen der Reichsverwaltung. Auf dem Reserveland wurde eine Lagerhalle für Kartoffeln nebst Zufahrtsstraße errichtet. Der Friedhof war Baustelle und Arbeitsort geworden und damit der Schändung und Störung der Totenruhe preisgegeben.
Das Rückerstattungsverfahren vor dem Landgericht Hamburg begann 1953 und zog sich bis 1959 hin. Die Jewish Trust Corporation Hamburg ließ das wichtige religiöse Gebot der ewigen Totenruhe außer Acht, denn es wurde eine Umbettung vereinbart; allerdings nur bei jenen Gräbern, deren Liegezeit noch nicht 25 Jahre betrug.
Beim Thema Exhumierungen hatte der Hamburger Gemeindevorstand anfangs dem Einspruch des früheren Wandsbeker Gemeinderabbiners Bamberger nachgegeben, wobei allerdings Überführungen auf den Ohlsdorfer Friedhof diskutiert wurden.
Zwei Jahre später kam es doch zu Umbettungen innerhalb des Friedhofsgeländes. 39 Gräber wurden exhumiert. 13 Gräber blieben unberührt; sie befinden sich unter der Kartoffelhalle oder sind bei deren Bau zerstört worden.
Die damalige Sachlage ähnelte dem Konflikt anlässlich des Verkaufs des jüdischen Friedhofs in Ottensen (in den 1950er Jahren).
An die Jüdische Gemeinde in Hamburg wurde 1959 schließlich nur ein größeres Teilstück des Geländes, das einst als Friedhof gedient hatte, rückerstattet. Die Kartoffelhalle steht bis heute, nunmehr ungenutzt. In Ausdehnung und Kompaktheit wirkt sie mindestens ebenso groß wie das traurige Stück Rest-Friedhof.
Eingezwängt zwischen dem verfallenden Gebäude und einem Firmengelände, stellt der Friedhof, auf dessen gestörte Ruhe auch die erneuerten Kissengrabtafeln hinweisen, eine der letzten Originalspuren der deutsch-jüdischen Geschichte in Wandsbek dar.

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